2020: Boots-Refit (Teil I)

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Unser erstes Jahr mit Bunny Bee stand ganz im Zeichen eines ausführlichen Refitprogramms. Wir nutzen dieses Coronajahr dazu, um Bunny Bee fit für die Langfahrt zu machen.

Die Anfänge - Zeit des Wartens

 

Auch wenn es so schien, als würde Corona all unsere Weltumfahrungsträume zunächst zunichte machen, ging es dieses Jahr doch noch los. Etwas verspätet – statt Anfang April wurde es nach viel hin und her der 30. Mai. Aber immerhin – das große Abenteuer konnte beginnen! 

Naja, ganz so groß wurde das Abenteuer zunächst doch nicht. Auch wenn wir zunächst geplant hatten, kurz nach der Bootsübernahme nach Schweden zu fahren und dort die ganze Saison zu verbringen, haben wir diesen Plan nach wenigen Wochen verworfen. Zu groß war die Angst vor Corona und dem lockeren Umgang der Schweden damit. 

Also beschlossen wir, diese Saison dem Bootsaufbau zu widmen. Im Nachhinein war das eine kluge Entscheidung. Bunny Bee hatte sich bereits nach Übergabe in einem sehr guten Zustand befunden. Aber eben doch noch nicht in dem Zustand, der unseren Vorstellungen entsprach. Auch nicht in dem Zustand, der für eine Weltumrundung geeignet gewesen wäre. 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass für den Bootsaufbau die ganze Corona-Konstellation gar nicht so schlecht für uns war, denn ohne Corona wären wir einfach davongesegelt – blauäugig, ohne Ahnung, wie lange Dinge dauern können, wenn es um den Aufbau eines Boots geht. So ein Refit kostet Zeit – sehr viel Zeit. Bei uns lag das zum einen daran, dass wir unter der Woche wie jeder andere Mensch arbeiten, wenn auch von Bord aus. Der andere Grund ist, dass man eben doch nicht alles selbst machen kann, immer wieder ist man auf Yachttechniker angewiesen. Und die hatten vor allem in diesem Jahr kaum Zeit, denn der Andrang war durch Corona wesentlich größer, als in normalen Jahren. So vergingen Wochen des Wartens. Immer wieder gab es mehr oder weniger lange Termine in der Werft in Heiligenhafen. In den Zeiten zwischen diesen Terminen tingelten wir zwischen Fehmarn, Heiligenhafen, Grömitz, Lübeck und Wismar hin und her, übrigens alles sehr interessante Orte, die man unbedingt besucht haben muss.

 

Zwischen den Terminen in der Werft tingelten wir in der Gegend herum.

Einen „Termin“ in einer Werft darf man sich nicht vorstellen, wie wenn man sein Auto in der Werkstatt abgibt. Ein „Termin“ dauert hier -je nach Vorhaben- zumindest bei uns zwischen einem Tag und drei Wochen. In dieser Zeit hat man dann immer wieder Yachttechniker an Bord. Auch diese Termine sind sehr schön. Man lernt ständig dazu, sieht wie sich das Boot entwickelt und wie man seinem Ziel näher kommt. Aber es erfordert viel Geduld. Die ganze Sache ähnelt sicher einem Hausbau, nur dass sich das Haus nicht unbedingt ständig am gleichen Ort befindet.

All das war gut und nötig, wie wir im Nachhinein feststellen mussten. Wir mussten nicht nur Bunny Bee aufbauen, sondern vor allem auch unser eigenes seglerisches Können. Wären wir sofort nach Schweden aufgebrochen, denke ich, dass wir schlichtweg überfordert gewesen wären. 

In der Yachtwerft Heiligenhafen fühlt man sich nicht nur wie unter Freunden, was hier geleistet wird, ist unglaublich professionell.

Homeoffice

Wie schon erwähnt, verdienen wir unser Geld, indem wir unsere Berufe an Bord ausüben. Dass uns für all unsere Vorhaben viel weniger Zeit bleibt, als wenn man im Urlaub ist, liegt also daran, dass wir wie jeder andere Mensch arbeiten. Nun ja – vielleicht nicht ganz so wie jeder andere Mensch, denn immerhin haben wir unseren Arbeitsplatz flexibel an jeden beliebigen Punkt auf diesem Planeten verlegt und die einzige Voraussetzung ist dabei ein Internetanschluss und Strom (möglichst selbst hergestellt). Trotzdem bleibt für den Refit am Ende nur wenig Zeit übrig, wenn man sich unter der Woche auf seinen Job konzentriert. 

Der Absprung aus dem normalen Leben in dieses verschärfte und leicht verrückte Homeoffice wurde letztendlich durch Corona erleichtert, da in dieser Zeit Homeoffice für viele zum normalen Leben dazugehört. 

So sieht Arbeiten an Bord eher selten aus.
Meistens sieht es eher so aus. Oder bei schlechtem Wetter eben unter Deck.
Eigentlich ist unser Golden Retriever Bentley ein Jagdhund. Bei uns ist es aber eher ein Yachthund.

Unsere Vorstellungen von Bunny Bee

Nicht nur für uns beginnt momentan eine ganz neue Zeit, sondern sicher auch für Bunny Bee. Sie hatte zwei Vorbesitzer und damit beginnt für sie quasi ein 3. Zeitalter in ihrem bisher dreißigjährigen Dasein. Während sich bisherige Einsätze eher auf Urlaubsfahrten auf der Ostsee konzentrierten, soll es nun auf die ganz große Fahrt gehen. 

Zum einen muss Bunny Bee so autark werden, dass auch langfristige Zeiten vor Anker möglich sind. Dazu muss genügend Strom erzeugt werden, um zusätzlich zum normalen Bootsbetrieb auch 2 Notebooks von morgens bis abends zu betreiben. Abgesehen davon sehen wir Bunny Bee als ein kleines „windgetriebenes Expeditionsschiff“. Ein Boot, das uns sicher um die Welt bringt. Ein Boot, das dem Wetter trotzt und auch dem Skipper den ein oder anderen Fehler verzeiht. 

All das haben wir dieses Jahr aus ihr gemacht. 

Sind wir damit bereit für den ersten großen Sprung über den Teich? Wohl kaum. Skipper und Crew mangelt es leider noch an Erfahrung. Aber Bunny Bee – die ist bereit! Schon im ersten Hafen meinte unser Stegnachbar, der Bunny Bee als „Schlechtwetterboot“ bezeichnete zu der Frage nach Atlantiküberquerung „Nun – das Boot kann das auf jeden Fall“.

Im nächsten Beitrag möchte ich zusammenfassen, was wir in diesem Jahr an Bunny Bee geändert haben. Anschließend werden nach und nach die Refit-Maßnahmen im Detail beschrieben.

Bunny Bee im Werfthafen Heiligenhafen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Marleen Baumann

    Super – ein gelebter Traum.
    Viel Glück für Eure weiteren Unternehmungen 🍀

  2. Liane Drees

    Toll wie Ihr das bisher angegangen seid.
    Ich warte schon gespannt auf die nächsten Ausführungen und wünsche Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel – so sagt man doch, oder?

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