Windfahnensteuerung Hydrovane

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Nichts ist langweiliger und scheinbar sinnloser, als stundenlang auf einem Boot zu stehen und einen Kurs zu halten. Gerade die Freiheit, sich auch während der Fahrt frei an Deck bewegen zu können, macht einen großen Reiz aus.

Bunny Bee war schon beim Kauf mit einem elektrischen Autopiloten ausgestattet. Während dieser den Kompasskurs halten kann, kann nicht den Kurs zum Wind halten, wie es moderne Autopiloten können. Moderne Autopiloten beherrschen mehrere Disziplinen: Halte den aktuellen Kompasskurs, halte den aktuellen Kurs zum Wind oder folge einer vordefinierten Route. Wobei letzteres für Segler natürlich sinnlos wäre, da jede Kursänderung auch eine Anpassung der Segel oder Manöver (Halse oder Wende) bedeutet.

In der Praxis ist es beim Segeln problematisch und eher unpassend, einem Kompasskurs zu folgen, den schließlich kommt der Wind ja nicht immer aus der gleichen Richtung, sondern dreht sich ständig ein bisschen. Wenn man hoch am Wind fährt bzw. gegen den Wind kreuzt und das Boot stur nur dem aktuellen Kompasskurs folgt, hat man das Problem dass das Boot immer wieder zu sehr in den Wind fährt und die Segel killen. Dreht der Wind dann nicht wieder zurück, droht man schlichtweg stehenzubleiben. Will man also gegen den Wind kreuzen, bleibt in diesem Fall nichts anderes übrig als einen Kurz zu fahren, der nicht so hart am Wind liegt, sondern eher moderat. Noch schlimmer ist, wenn man vor dem Wind fährt, denn dann drohen ständig Patenthalsen. Vor dem Wind mit Autopilot einem Kompasskurs zu folgen, ist daher nur möglich, wenn vor dem Wind gekreuzt wird, was einen Umweg bedeutet. Inwieweit dieses Problem mit einem Bullenstander umgangen werden kann, haben wir allerdings noch nicht getestet.

Ein solch einfacher Autopilot ist also nur unter Maschine und auf Halbwindkursen gut. Aber: Maschine wollen wir Segler nur wenn es nicht anders geht und Halbwind ist nicht gerade die Regel.

Was tun? Mechanische Windfahnensteuerung oder neuer Autopilot? Die Wahl fällt nicht leicht, da vieles für beide Seiten spricht. Tatsächlich mussten wir wochenlang überlegen, dann viel die Wahl auf eine….

 

Hydrovane!

Warum Hydrovane? Ein neuer, moderner Autopilot wäre die deutlich günstigere Alternative. Außerdem versperrt die Windfahne hinten den Weg so dass der Davids nicht mehr für das Beiboot genutzt werden kann. Das dürfte der Größte Nachteil sein.

Eine mechanische Windfahnensteuerung ist keine neuer Erfindung, sie stammt aus den 1960er Jahren. Das Prinzip ist einfach: Die Windfahne wird in die Richtung des scheinbaren Winds ausgerichtet, in die das Boot fahren soll. Dreht sich nun der Wind, wird die Windfahne dadurch in eine Richtung gedrückt. Das wird genutzt, um ein Ruder zu bewegen. Es wird entweder das Hauptruder des Schiffs bewegt oder die Windfahnensteuerung bringt ein eigenes Ruderblatt mit sich. Letzteres ist bei der Hydrovane der Fall und wir sehen das als einen der großen Vorteile gegenüber Konkurrenzprodukten, denn das zusätzliche Ruderblatt kann im Notfall auch als Notruder verwendet werden. Das zweite, was eine Hydrovane gegenüber anderen Windfahnensteuerungen auszeichnet, ist dass sie nicht mittig angebracht werden muss.

Hier die Vorteile einer mechanischen Windfahnensteuerung, bzw. der Hydrovane vor allem in Kombination mit dem vorhandenen Autopilot:

  • Der offensichtlichste Vorteil einer mechanischen Windsteuerung ist, dass sie keinen Strom verbraucht. Elektrische Autopiloten verbrauchen nicht unerheblich Strom, wobei hier moderne Systeme besser sind, als alte, da diese intelligenter programmiert sind. Auf Bunny Bee wird über Solar und Wind Strom erzeugt, so dass ein elektrischer Autopilot möglicherweise vertretbar gewesen wäre. Aber irgendwo geht es auch ums Prinzip: Was gibt es besser als überhaupt kein Verbrauch? Und was ist bei Nachtfahrten, wenn die Solaranlage eben keinen Strom erzeugt?
  • Da die Hydrovane ein eigenes Ruderblatt mitbringt, haben wir bei einem Ruderschaden ein Notruder. Im Extremfall ist das eine Lebensversicherung.
  • Was mechanisch ist, kann auch nicht so leicht kaputt gehen. Die Hydrovane ist extrem robust gebaut. Elektrische Autopiloten gehören zu den Teilen, die relativ häufig kaputt gehen.
  • Vor Allem die Tatsache, dass bereits ein elektrischer Autopilot vorhanden war, bedeutet, dass wir nun ein redundantes und sich ergänzendes System haben. Elektrische Autopiloten können ausfallen, zwei Systeme zu haben, bedeutet erhöhte Ausfallsicherheit. 
  • Es gibt Diskussionen darüber, ob nun eine mechanische Windfahnensteuerung oder ein Autopilot besser ist. Perfekt ist aber eine Kombination aus beidem, denn eine Windfahnensteuerung nützt einem z.B. unter Motor gar nichts. Hätten wir den bisherigen Autopiloten ersetzt, so wäre der alte Autopilot weg gewesen. Mit der mechanischen Windfahnensteuerung als Zusatz können wir diesen aber weiterhin nutzen, wenn es in der Situation (Halbwindkurs oder Fahrt unter Maschine) besser passt.

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